Seite 087



Am anderen Morgen trug man zusammen, was jeder an Essbarem dabei hatte: ein paar Brötchen, einige Äpfel, zwei Muffins, eine Packung Knäckebrot und mehrere kleine Flaschen Mineralwasser. So wurde es ein sehr einfaches, schmales Frühstück, aber alle waren guten Mutes und fröhlich, als einer der Drei, die später zur Gruppe gestoßen waren - zwei Männer und eine Frau -, das Wort ergriff: "Saron, nachdem, was wir so von dir gehört haben, würdest du uns sicher als Bibelfundamentalisten bezeichnen. Wir drei sind aus der gleichen Kirche, sprechen die Sprache Kanaans(1) und haben festgestellt, wenn wir mit anderen über die Bibel reden, verstehen sie uns oft nur schwer oder nicht richtig. Überfordern wir andere mit unserer Bibelkenntnis und den daraus gewonnenen Einsichten?"
Saron lächelte verschmitzt. "Lasst uns ein kleines Spiel miteinander spielen. Ich möchte euch zeigen, wie Bibelfundamentalismus auf andere wirkt." Sie stimmten zu und Saron bat sie, irgendeinen Satz zu formulieren. Die Frau überlegte kurz, dann sagte sie: "Ich gehe spazieren!" - "Was, du gehst spazieren?", fuhr Saron sie an. "Weißt du Faule denn nicht, dass du nach der Bibel (Spr. 6:6) zur Ameise gehen sollst, um Fleiß von ihr zu lernen? Kennst du die Bibelstelle nicht, die besagt, dass ein schönes Leben aus Arbeit und Mühe besteht (Psalm 90:10) und nicht aus Spazierengehen? Bereits am Anfang des Alten Testaments sagt Gott, dass wir unser Brot im Schweiße unseres Angesichts verdienen sollen (1.Mose 3:19) und der Apostel Paulus kann von sich behaupten (2.Thes. 3:8), er habe mit Mühe und Plage T a g und N a c h t gearbeitet, um nur niemandem zur Last zu fallen. Also folge der Bibel und tue es Paulus gleich und verschwende deine wertvolle Zeit, die Gott dir schenkt, nicht mit Spazierengehen!" Aufmerksam schmunzelnd hatten die drei Saron zugehört. Nun sagte einer der beiden Männer. "Bald werde ich mir ein Haus bauen." - "Ein Haus?" Saron wirbelte herum. "Ein Haus zu bauen, ist ganz und gar unbiblisch, denn "wir haben hier keine bleibende Stätte, sondern die zukünftige suchen wir".(Hebr. 13:14) Denke an die ersten Christen, sie verkauften alle ihre Habe (Apg. 2:4-5) und du willst dir Habe zulegen? Das entspricht nicht dem Willen Gottes! Das Gegenteil wird segensreich für dich sein: Gehe hin und verkaufe alles, was du hast (Matth. 19:21), dann erfüllst du Jesu Gebot. Ach, du besitzt gar nichts und willst dir Geld für dein Haus leihen? Tue das bloß nicht, denn in Gottes Wort steht: Seid niemandem etwas schuldig!" (Röm. 13:8) - "Hör auf, Saron", rief einer, "Das ist ja nicht zum Aushalten. Ich denke, wir haben verstanden. Alle lachten. "Mit der Bibel kann man alles gutheißen und alles ablehnen. Das macht die Sache nicht eben einfach. Denn die Bibel heißt nicht alles gut und lehnt nicht alles ab. Ihr Anliegen ist es, Menschen zu einem von Gott behüteten Leben und schließlich zu ihm selbst zu führen. Diesen Weg in ihr zu erkennen ist nicht immer leicht und ohne Hilfe des Heiligen Geistes nicht zu bewältigen. Glaubt ihr, ich wüsste stets diesen Weg? Ganz gewiss nicht. Manchmal ist es notwendig, neue Pfade zu gehen, um das Ziel zu erreichen. Manchmal ist es besser, auf den alten zu bleiben. Leider gibt es immer auch die, die stets ganz genau wissen, was Gott mag und was nicht. Hütet euch vor denen.(2)























--------------------------------------------------

--------------------------------------------------

--------------------------------------------------


(1) "
Sprache Kanaans ist eine selbstkritisch-ironisierende Bezeichnung für eine christliche Gruppensprache (Jargon), die - meist unbewusst - häufig in den Zusammenkünften freikirchlicher und pietistischer Kreise verwendet wird." (Google)

(2) zu Jesu Zeiten waren das die Pharisäer und Schriftgelehrten, die über die Einhaltung der Gebote wachten. Jesus verurteilt sie dafür nicht, aber er lehnt ihr selbstgerechtes und unbarmherziges Verhalten, ihren Schriftfundamentalismus, strikt ab. und ,

Besucherzaehler