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"Wenn das so wäre", entgegnete ihm der Mann mit dem langen Gewand, "wie kann man dann erkennen, wer ein `liebender Homosexueller`- wie du ihn nennst - oder ein von Sünde getriebener, perverser Homosexueller ist?"
"Was ist das für eine Frage? Woran erkennt man, ob jemand heimlich ein Kinderschänder, ein Sadist oder anderswie pervertiert ist? Bei Homosexuellen nicht anders als es bei Heterosexuellen der Fall ist: "
An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen" (Matth.7:16). Wenn Homosexuelle in der Gemeinde einen tadellosen Ruf besitzen und treue Mitarbeiter sind, wer wollte sie verdammen oder ihnen gar die Mitarbeit verbieten? Verdammen könnte man sie - wenn überhaupt - nur dann, wenn sie Knabenschänder, Lustsklaven etc. wären, was ohnehin strafbar wäre. (1)
Saron hielt inne, um seinen Zuhörern Zeit zu geben, über das Gesagte nachzudenken, dann wandte er sich an die beiden Frauen und sagte:
"Ihr Frauen könnt jetzt eure Straße fröhlich ziehen!"
Erstaunt sahen die beiden ihn an: "Aber Saron, es gibt doch noch deutlichere Worte im Alten Testament, warum sollen wir gehen?"
Da lachte Saron und meinte freundlich zu ihnen: "Wie wir gerade gesehen haben, seid ihr weder Knabenschänder, noch Götzendiener, noch habt ihr mutwillig in eurem Sexualleben etwas verändert. Im Alten Testament steht rein gar nichts über homosexuelle Frauen. Ihr dürft es gerne noch einmal daraufhin durchlesen. Selbst die meisten Historiker folgern "... sexuelle Handlungen zwischen Frauen seien für die Israeliten nicht strafwürdig gewesen...." (2) Da euch nicht einmal das jüdische Gesetz verdammt oder auch nur eines Wortes in dieser Sache würdigt, geht also hin in Frieden.(3) Es gibt nur eine einzige Stelle in der Bibel, die deutlich von Frauen spricht, und wie ihr gesehen habt, gilt die ebenso wenig für euch als auch für die meisten Lesbierinnen schlechthin, denn es ist nicht einmal eindeutig, ob hier von Lesbierinnen die Rede ist. Ihr seht: Nirgendwo in der Bibel steht etwas, was sich eindeutig homosexuellen Frauen zuordnen lässt. Umso unverständlicher der Eifer, mit dem einige versuchen, etwas in die Bibel hineinzulesen, was da nicht steht!"
Sie dankten Saron herzlich. Jeder konnte ihnen die Freude darüber ansehen, dass sie nun in Zukunft Gott dienen konnten ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen oder gegen wichtige Bibelstellen zu verstoßen. Ihnen war eine Last von der Seele genommen.
Aber sie blieben noch ein wenig sitzen, um zu hören, was Saron den Männern zu sagen hatte.
"Nun zu euch, Männer." Saron stand auf, ging einige Schritte auf und ab, nahm seine Bibel, setzte sich wieder und begann:
"Die Frauen haben Recht. Im Alten Testament stehen eindeutig zwei schwerwiegende Bibelstellen zur männlichen Homosexualität.(4) Lest einmal 3.Mose 18:22."
"Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Gräuel." - "Und 3.Mose 20:13" - "Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben.(5)























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(1) Der Vers (Römer 1:29) geht so weiter: "
voll alles Ungerechten, Hurerei, Schalkheit, Geizes, Bosheit, voll Hasses, Mordes, Haders, List, giftig, Ohrenbläser, Verleumder, Gottesverächter, Frevler, hoffärtig, ruhmredig, Schädliche, den Eltern ungehorsam, Unvernünftige, Treulose, störrig, unversöhnlich, unbarmherzig , usw.."

(2) Günther Gollner:
Homosexualität. Ideologiekritik und Entmythologisierung einer Gesetzgebung. Duncker & Humblot, 1974,
ISBN 3428031296, S. 74

(3) Was sagen Juden zur Homosexualität? "
Da die Bibel lesbische Liebe nicht erwähnt, wird ersatzweise, unter Bezugnahme auf Lev 18, 3, auf die "Sittenlosigkeit" in Ägypten und Kanaan hingewiesen, zu der auch die sexuelle Liebe zwischen Frauen gehöre; diese dürfe Israel nicht nachahmen. Der Talmud sieht in Liebesakten zwischen Frauen zwar kein "Gräuel", aber doch eine "Obszönität" (perizút, bJevamot 76a), die aber nicht strafenswert schien. Ganzer Text: (Wie schwer muss es einer patriachalischen Gesellschaft fallen, anzuerkennen, dass Frauen auch ohne Männer Sexualität erleben können. Somit verwundern die jüdischen Urteile jener Zeit, weibliche Homosexualität straffrei zu stellen, während männliche mit dem Tode zu ahnden war.

(4) Judentum und Homosexualität (Rabbinermeinungen): z.B. oder und

(5) Es bemerkenswert, dass gerade bibeltreue Christen, die versuchen, möglichst wörtlich nach der Bibel zu leben, hier die Frauen mit einbeziehen, obwohl sie definitiv nicht genannt werden. Gleich im nächsten Vers bei der Zoophilie werden sie wieder extra zusammen mit dem Mann aufgeführt werden, damit offenbar kein Zweifel daran besteht, dass auch sie gemeint sind: "
Wenn jemand beim Vieh liegt, der soll des Todes sterben, und das Vieh soll man erwürgen. Wenn ein Weib sich irgend zu einem Vieh tut, dass sie mit ihm zu schaffen hat, die sollst du töten, und das Vieh auch; des Todes sollen sie sterben. Ihr Blut sei auf ihnen!"

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